Alternative Heilmethoden sollen helfen, wenn die Schulmedizin mit ihrem Latein am Ende ist. Doch wo finde ich die Experten? In loser Reihenfolge stellt der Berliner KURIER "Die heilenden Hände von Berlin" vor, nennt Preise und Adressen von Therapeuten. Heute geht es um Klangmassage.
"Ommm". Ein tiefer Ton schwingt durch den Raum. Carmen Bartsch (42) schlägt mit dem Schlägel eine kleinere, messingfarbene Schale auf dem Bauch der Klientin an. Ein höherer Ton erklingt, der aber mit dem ersten wunderbar harmoniert. Heidemarie G. (63) genießt die Töne, sie ist wegen Schlafstörungen und ständiger innerer Unruhe zur Klangschalenmassage gekommen. Eine Stunde lang lässt sie sich von Carmen Bartsch behandeln.
Die hatte zunächst die Aura über der bäuchlings auf der Behandlungsliege ausgestreckten Klientin harmonisiert. Dann stellte sie ihr eine Klangschale - sie wurde wie die anderen in Nepal aus zwölf verschiedenen Metallen gefertigt und mit einer Bronzelegierung überzogen - auf die nackte rechte Fußsohle, schlägelte sie an: "Ommm". "Ich spüre ein Kribbeln im Bein", sagte Heidemarie G.. Dann der andere Fuß. Später drehte sich Heidemarie G. auf den Rücken. Carmen Bartsch stellte ihr eine Klangschale auf den Bauch und eine weitere, die größte, 1,5 Kilo schwere, aufs Becken. Mit zwei verschiedenen Schlägeln entlockte Carmen Bartsch den beiden Schalen in einem gleichmäßigen, ruhigen Rhythmus unterschiedlich hohe Töne. "Ihr Klang erfüllt das Harmoniebedürfnis der Klienten, führt zu einer tiefen Entspannung bis hin zum Alpha-Zustand", erklärte die Therapeutin.
Die sanfte Intensität der Töne wird bei der Klangschalenmassage ausgenutzt, um Blockaden im Körper zu lösen und die Selbstheilungskräfte anzuregen. "Zu 80 Prozent besteht unser Körper aus Wasser" sagt Carmen Bartsch. "Durch diese wässrigen Anteile setzen sich die Schwingungen im Körper fort, massieren jede einzelne der mehr als 100 Billionen Zellen."
Heidemarie G. erlebt während der Behandlung eine tiefe Entspannung. "Die Töne sind wie Glockenläuten, lösen bei mir wie bei vielen anderen Menschen ein Urvertrauen aus." Und ihr hilft die Klangschalenmassage. "Ich bin schon viel ruhiger geworden, kann besser schlafen."
Besonders zur Stressbewältigung sei die Klangschalenmassage gut geeignet. "Sie kann eine ärztliche Therapie nicht ersetzen, aber wirkungsvoll begleiten", sagt Carmen Bartsch. So behandelt sie gerade auch eine 88-Jährige, die sich den Arm gebrochen hat. "Der Knochen heilt besser, der Bluterguss ging schneller zurück.
Heilen kann die Methode nicht, aber helfen
Die Klangmassage ist eine rund 5000 Jahre alte Heilmethode. In Nepal, Indien und Tibet sei es noch heute alltägliche Praxis, Heilungsprozesse mit Klängen positiv zu beeinflussen. In den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte der Pädagoge und Diplom-Ingenieur Peter Hess aus Uenzen (Niedersachsen) die Klangmassage weiter, passte sie den westlichen Bedürfnissen an.
Die Wirkung von Klängen auf den Körper beschreibt er mit folgendem Bild: "Lässt man einen Stein in einen Teich fallen, so entstehen konzentrische Wellen, die sich über den gesamten Teich ausbreiten. Jedes Molekül des Wassers wird auf diese Weise in Bewegung versetzt. Ähnliches geschieht bei der Klangmassage in unserem Körper. Die wohltuenden Schwingungen übertragen sich auf den Körper und breiten sich dort in konzentrischen Wellen aus: eine wohltuende Zellmassage."
Sowohl Peter Hess als auch seine Schülerin Carmen Bartsch betonen, dass mit der Klangmassage keine Krankheiten behandelt werden können, sondern das Gesunde im Menschen gestärkt wird. Deshalb ersetze sie keine fachärztliche Behandlung, könne sie aber ergänzen.